Cases Inspiration Trends 2022

„Ideen wie italienische Pizza“ – ein Rückblick auf das ADC-Festival 2022

Die etwas andere Nachbetrachtung auf das ADC Festival 2022 mit persönlichen Statements der Jury Film „Publishing + Spatial Experience“.

Kreativität war nie so gefragt wie heute. Denn sie ist die Voraussetzung für neues Denken und für jede Form von Innovation. Deshalb fand unter dem Motto: „Ideas create reality“ das diesjährige ADC Festival – endlich wieder live und in Farbe – in Hamburg statt. Vom 17. bis zum 20. Mai durften 29 Jurys mit 435 Jury-Mitglieder unter 10.000 Einsendungen die kreativsten Arbeiten Deutschlands prämieren und feiern. Auch beim ADC Talent Award – dem Nachwuchs-Wettbewerb – gab es über 500 Einreichungen, die bewertet wurden. Insgesamt 5 Grands Prix, 62 Gold-, 115 Silber- und 272 Bronze-Nägel wurden vergeben. Ein Tipp: mit einem Klick können die Gewinnerarbeiten jetzt in der ADC Gallery bewundert werden!

Die Kreativen der Düsseldorfer Agentur Billy Studios haben einen Eierstock zum „Ideenstock“ uminterpretiert und als Key Visual für den ADC vielfältig gestaltet. ADC-Mitglieder durften auch ihre eigenen Versionen liefern. So entstand eine sehr diverse und bunte Kreation des Festival Mottos: „Ideas Create reality“. #ideascreatereality

Wir beurteilten in der Film-Jury „Publishing + Spatial Experience“ – dessen Juryvorsitz ich auch dieses Jahr wieder übernehmen durfte – vom Music-Video über Unternehmens- und Point of Sale-Filme auch die Semester-, Abschluss- und Praxisarbeiten des „ADC Talent Award“ im Bereich „Spatial Experience/Extended Reality, Konzeption & Design von Raumerlebnissen“. Wie im letzten Jahr gab es einen „Vor-Voting-Prozess“, in dem alle Filme und Cases vorab online für die Shortlist beurteilt werden konnten. So hatten alle Juror*innen am Jurytag eine sehr gute Übersicht über alle eingereichten Arbeiten.

Drei Arbeiten aus der Kategorie „Music Videos“, die die Jury beeindruckt und sehr gut unterhalten haben:

Marc Rebillet – das Musik- und Improvisationstalent aus New York – schrieb und performte einen Song über die Angebotsvielfalt von EDEKA. #SuperMarc

„SuperMarc ist ein Musikvideo, das SuperSpaß macht – auch nach dem 10. Mal gucken. Das liegt am perfekten Testimonial-Match, am Drive der Musik, am hohen Exekutionslevel und zu guter Letzt natürlich auch am Schmand!“ – Michael Preuss

BVG – Wir fahren allein allein! #weilwirdichlieben
Harte Beats kombiniert mit einer zarten Botschaft: Milka kooperiert mit Rapper Nimo und ruft zum empathischen Miteinander auf. #Nimo #Milka #SeiZart

Kritisch wurde in der Jury die sich in den letzten Jahren wiederholende Machart mancher Filme betrachtet. Man nehme dafür einfach ein bekanntes Musikstück, reichere den Liedtext mit den jeweiligen Produktvorteilen an und drehe dann einen Film in der Bahn, im Ladenlokal oder im Supermarkt. Das ist die „Gelinggarantie“. Ganz so, wie es Dr. Oetker auch schon jahrzehntelang verspricht.

„Nur anders inszeniert ist nicht neu.“

„Reboots liegen weiterhin im Trend. Was wir bei Kinofilmen und TV-Serien beobachten, zeigt sich auch im Werbeblock. Ein bewährtes Konzept wird einfach anders inszeniert: andere Orte, andere Darsteller*innen, andere Musik. Anders ist aber nicht neu. Am Ende hat man alles schon mal gesehen. Ideen sind wie eine italienische Pizza. Kommt sie frisch aus dem Ofen, schmeckt sie hervorragend. Doch einmal aufgewärmt hat sie völlig an Biss verloren. Da hilft es auch nicht, sie zusätzlich mit Ananas zu belegen. Bei der diesjährigen Jurysitzung gab es dennoch ein Highlight: die Kuchenpause.“ – Jacques Pense

Zwei spannende und inspirierende Filme aus dem Bereich Point of Sale:

Der Film „Minimalismus“ von MINI beschreibt, wie das ikonische Flügel-Logo von Mini in eine Kampagne übersetzt wurde, die sich den zeitlosen Code von Designelementen zunutze macht.
Zum Song „All by myself“ inszenierte die Deutsche Bahn das ganze Drama der „Lonely Clients“.

„Ich denke, der Werbefilm steht vor einem großen Umbruch. Das alte Heldenreise-Storytelling á la „Bertha Benz“ stirbt aus. Die Juroren lechzen noch danach, weil sie damit aufgewachsen sind. Der Nachwuchs ist allerdings schon viel weiter. Aber wie könnte man das neue Storytelling der neuen Generation kategorisieren? Dafür ist es noch zu früh. Wir müssen noch 5 Jahre warten, um es einordnen zu können.“ – Henning Patzner

Eine sehenswerte Unternehmensdarstellung ist die #birkenstory von Birkenstock über das Bochumer Urgestein „Hermann Gerland“. Er war Co-Trainer bei Jupp Heynckes, Louis Van Gaal, Pep Guardiola, Carlo Ancelotti oder Hansi Flick, und avancierte zum legendären Fußballlehrer beim FC Bayern München. „Tiger, ohne dich wäre aus mir nie das geworden, was ich heute bin“, sagte Thomas Müller, Weltmeister 2014.

#birkenstory über das Bochumer Urgestein „Hermann Gerland“.

„Die Jury war besser als die Arbeiten …“

Ein Fazit von Folker zu unserer diesjährigen Juryarbeit: „Denkwürdig war das. Gar nicht mal nur, weil wir seit gefühlten fünfzig Jahren endlich mal wieder als Jury im gleichen Raum gesessen haben. Oder weil am zweiten Jurytag die Eintracht tatsächlich den verdammten Cup geholt hat. Sondern einfach, weil es ein richtig guter Haufen netter Leute war. Man könnte auch sagen, ein netter Haufen guter Leute, das passt auch. Auch meine Abstimmung für Gold wird denkwürdig bleiben, weil ich sie aufgrund eines nicht verschiebbaren Zoomcalls mit dem Kunden vom Spielfeldrand des Volksparkstadions abgab. Der Kunde war von der Kulisse allerdings nur bedingt beeindruckt. Saß in der Europapokalsiegerstadt Frankfurt, da konnte ich schlecht gegen anstinken.

Am Ende sagte ich was, von dem die Kollegen meinten, auweia, das sollte aber nicht den Raum verlassen. Tut es jetzt aber. Ich sagte nämlich: „Die Jury war besser als die Arbeiten.“ Das hört sich total fies an, ist es aber nicht. Die Arbeiten waren nämlich richtig gut und wir haben nicht wie so oft rumgenörgelt, dass das ein besonders schlechter Jahrgang gewesen wäre. Ist es nicht. Vielleicht nicht legendär, aber ganz sicher nicht schlecht. Was ich meinte, war: echt gute Arbeiten, aber eben ne richtig feine Jury. Und erzählt mir jetzt nicht, dass nach bestimmt sogar noch mehr als fünfzig Jahren Jury aus dem Homeoffice jede real vorhandene Jury grandios gewesen wäre. Kauf ich nicht. Danke, liebe Kolleginnen und Kollegen.“ – Folker Wrage

„Wir haben die Voraussetzung geschaffen, die Jury Teilnahme von Frauen innerhalb eines Jahres zu verdoppeln und es fast geschafft.“

Ein herzlicher Dank an unseren Juryassistenten Michael Sautter. Und an meine Jurykolleg*innen: Hannes Böker, Ursel Barwinski, Tobias Eichinger, Harald Linsenmeier Henning Patzner, Jacques Pense, Michael Preuss, Philipp Schmalriede, Thomas Schwarz, Niels van Hoek, Hermann Vaske, Florian Weber, Folker Wrage, Marko Zawadzki

Ja, unsere Jury bestand aus einer Frau und vierzehn Männern. In anderen ADC-Jurys sah die Verteilung aber dieses Jahr schon deutlich anders und besser aus. Ein Kommentar zum Thema Gleichberechtigung und Sichtbarkeit von Dörte Spengler-Ahrens, Präsidentin des ADC: „Wir haben die Voraussetzung geschaffen, die Jury Teilnahme von Frauen innerhalb eines Jahres zu verdoppeln und es fast geschafft. Und zwar nach den regulären ADC Aufnahmeregeln. Von den fast 50 Neuaufnahmen konnten leider nicht alle Frauen kandidieren. Sonst wäre die Jurybesetzung mindestens doppelt so hoch gewesen. Dieses wunderbare Ergebnis in einem Jahr ist den Mitgliedern zu danken, die dafür gesorgt haben, die tollen Talente zu identifizieren und zu motivieren. Es gab dieses Jahr keine Jury ohne Frau – in manchen bildeten sie sogar zwei Drittel. Und natürlich werden wir weiter daran arbeiten.“ – Dörte Spengler-Ahrens (Quelle: LinkedIn)

Danke an das ganze ADC Team für die tolle und reibungslose Organisation der Jurysitzungen. Wir freuen uns alle auf das ADC Festival 2023!

Titelbild: Screenshot aus dem Edeka Spot „SuperMarc“

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