Allgemein Innovation Meinung

Video kills the Video-Star: Das neue Instagram TV

Instagram, das mit Videofunktionen und Instagram Stories schon Wettbewerber Snapchat einen existenzbedrohenden Stoß versetzt hat, geht zum nächsten Angriff über: Jetzt bekommt auch Video-Star YouTube einen ernsthaften Konkurrenten.
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Ein Klick, und das Videoangebot öffnet sich im Hochformat. Foto: Instagram

Beim Update der Instagram-App entdeckt man das unscheinbare kleine Icon eines Fernsehers oben rechts erst auf den zweiten Blick. Kaum geklickt, öffnet sich aber eine bildstarke neue Videowelt: Instagram TV. Und die macht gleich mächtig Eindruck: Im Autoplay startet das erste Video eines Content Creators, dem man schon zuvor wegen seiner Fotos, Stories oder kurzen 15-60 sek. Videos folgte.

Die ersten Content Creators, die Instagram zum Start des neuen Angebots um Beiträge zum Füllen des Angebots „gebeten“ hat, drehen auf der neuen Videoplattform gleich richtig auf. Bis zu 60 Minuten können sie jetzt hier „auf Sendung gehen“. Aber statt des gewohnten Querfomats werden die Videos mobilgerecht und ausschließlich im bildschirmfüllenden Hochformat angeboten. Das fühlt sich erst erst einmal ein wenig „eng“ an, ist aber nur konsequent gedacht. Denn IG TV ist für die mobile Generation gedacht, die Millennials insbesondere, die dem linearen Fernsehen eh „entwachsen“ sind.

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Einfache User Experience auf IG TV (Foto: IG)

Eine Frage der User Experience: Warum schwer, wenn es auch einfach geht?

Einfache Klicks öffnen auf IG TV alle neuen Videos im angebotenen Stream, ein Tipp auf den Namen des Creators zeigt dessen Beiträge wie im YouTube-Kanal. Und wo man nicht bis zum Ende geschaut hat, kann man beim nächsten Besuch gleich wieder einsteigen. Diese intuitive Logik und Einfachheit macht Spaß – und den Unterschied zum unsortierten Snapchat. Keine Umwege, kein Umgewöhnen, alles sortiert, alles wie immer! Damit könnte IG TV Snapchat nun endgültig den Gnadenstoß geben.

Eine Frage des Flows: wie wird IG TV eingebunden?

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Westwing bindet IGTV auf Instagram geschickt im Gesamtauftritt ein.

Zur Produktion braucht man die IG TV App. Wie geschickt und nutzerfreundlich man die neuen Videos und den neuen Kanal dann aber in das eigene, bestehende Content-Angebot im „normalen“ Instagram-View einbinden kann, zeigt der Interieur-Shop Westwing. Auf dessen Instagram-Account steht das neue IG TV jetzt gleich neben vielen verschiedenen IG „Stories“-Kanälen, auf denen Bild- und Kurzvideo-Inhalte über Rezepte, Looks, Shoppingangebote uvm. angeboten werden.

Für die Follower ist das neue Angebot so einfach zu erreichen. Dieser Umgang mit Instagram als umfassende Content Plattform ist eine Blaupause für Marken, die mit Content und Storytelling auf Conversion abzielen und so den inspirierenden Einstieg in den Sales Funnel anbieten, ohne dass die Instagram Followerschaft ihre Gewohnheiten ändern muss.

Eine Frage der Zielgruppe: Quo vadis, Millennial?

Aber auch Video-Platzhirsch YouTube wird ein Argusauge auf diesen mächtigen neuen Konkurrenten werfen. Instagram steht für einen freundlichen Umgang miteinander, kommt eingermaßen unpolitisch daher und hat eine extrem interaktive Community. Finden Content Creator und Influencer heraus, dass ihre Follower das konsequente Hochformat annehmen und ihnen auf IG TV mehr Aufmerksamkeit und Zeit als auf YouTube schenken, dürften sie ihre Aktivitäten sehr schnell hierher verlagern. Nicht zuletzt auch, weil es für Influencer auf YouTube immer schwieriger wird, Geld mit ihren Inhalten zu verdienen. Zudem hat das Google-Unternehmen seine Top-Creators zuletzt durch seinen Umgang mit diesen verstimmt. Viele von ihnen stehen ihrem alten Kanal daher kritisch gegenüber. Das könnte sich jetzt rächen. IG TV hat definitiv das Potential, YouTube die attraktive Zielgruppe der mobilen Millennials abspenstig zu machen.

Für Marken, die Millennials zu ihren Kunden zählen, dürfte IG TV auf jeden Fall ein interessanter Content Kanal werden.

Eine Frage der Content Produktion: Hoch, quer, quadratisch oder wie jetzt?

Für Content Creators – ob Influencer, Medien oder Marken – stellt sich mit der Einführung der neuen Plattform eine interessante Frage: Wie soll man denn jetzt seinen Videocontent produzieren? Hochformatig für IG TV, quer für YouTube, quadratisch für Facebook, Snapchat & Co? Produziert man für mehrere Plattformen, braucht man entweder mehrere Produktionsteams oder man denkt den nachträglichen „Zoom“ oder Ausschnitt beim Dreh gleich mit.

Das wird manchen Creator nicht nur vor budgetäre, sondern auch stilistische Fragen stellen. Landschafts- und Panorama-Aufnahmen kommen im engen Hochformat nicht gut rüber, egobezogene Selfies dagegen um so besser. Am Ende wird die Community da auch ein Wörtchen mitreden, wie sie Inhalte konsumieren möchte. Fynn Kliemann von Kliemannsland fragt da dann auch lieber gleich mal nach:

Ein Beitrag geteilt von Kliemannsland (@kliemannsland) am Am Ende eine Frage der Relevanz: Storytelling für Marken auf IG TV?

Am Ende eine Frage der Relevanz: Storytelling für Marken auf IG TV

Insgesamt bietet die Facebook-Tochter mit IG TV Marken und Unternehmen eine neue Möglichkeit, längere Videos und spannendes Storytelling einer engagierten und interaktiven Community zu präsentieren. Immerhin: eine Milliarde Nutzer erreicht man über Instagram. Und kaum eine Social Media Plattform bekommt so viel Aufmerksamkeit und Zeit ihrer Nutzer.

Über den Erfolg des Contents werden aber auch auf IG TV nicht die Länge oder das Format entscheiden, sondern die Relevanz. Nur Inhalte, die für mobile Millennials einen Wert haben und sie begeistern, werden auch im neuen Hochformat überzeugen können.

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