#Cluetrain Manifesto is back: Lang lebe das liebenswerte Internet. #NewClues #2015

New Clues

Doc Searls und David Weinberger sind zurück. 1999 hatten sie das Cluetrain Manifesto mit insgesamt 95 wegweisenden Thesen über das Verhältnis von Unternehmen und ihren Kunden im Zeitalter des Internets formuliert. Nach 16 Jahren melden sie sich mit einem leidenschaftlichen Update zurück. Denn das freie Internet ist wieder in Gefahr. Hier die deutsche Speedsummary einer liebenswerten „Predigt“ für das gut alte Internet.

In sage und schreibe 121 New Clues dreht sich wieder alles, wen wundert das, um das freie Netz (wir könnten auch Netzneutralität sagen) und was es für uns Menschen, Märkte und unsere Zivilisation bedeuten und erreichen kann – wenn denn alles glatt liefe…aber das tut es aus Sicht der Autoren nicht – gar nicht. Das freie Internet ist aus der Sicht der beiden Cluetrain-Autoren durch zwei neue Horden bedroht.

Da seien zwar immer noch diejenigen, die damals zur Zeit des ersten Manifestos noch nicht verstanden hätten, dass sie das Internet nicht verstanden hätten – und die auch bis heute nur das schlechte, das „Fangen“ mit dem Netz gelernt hätten.

Nun seien Rumtreiber und Plünderer dazu gekommen, die das Internet nur zu gut verstünden, unsere Daten extrahierten und Geld damit verdienten, und uns dabei für Idioten hielten.

Aber die neue und gefährlichste Horde für das offene Internet ist laut Searls und Weinberger die dritte: Wir.

Wir nutzten, so die aufgebrachten Autoren einleitend ihrer „Predigt“, das Internet fürs TV-Entertainment der Masse. Dabei es doch die „Herrlichkeit“ des Internet sei, uns als vielfältige und verschiedene Individuen miteinander zu verbinden – ohne Erlaubnis – und zu tun, was wir wollten.

„Das Internet sind wir, verbunden“
In ihren ersten Thesen räumen sie erst daher einmal mit den aus ihrer Sicht größten Missverständnissen auf: Das Netz bestehe nicht aus Kupfer und Kabeln. Telekommunikationsunternehmen, Facebook & Co und Regierungen das Netz besässen das Netz auch nicht. „Es ist von uns, durch uns und für uns.“, so das Mantra der New Clues. „Es zieht uns zusammen wie die Schwerkraft.“

Das Netz sei auch nichts, kein Ding und habe auch keinen eigenen Zweck. Sondern sei eigentlich nur ein Set von „Geboten“. Das Internet sei übrigens auch kein „Content“ und schon gar kein Medium.

Missgunst statt Willkommensgefühle
„Wir“ haben aus Sicht von Weinberger & Co unsere Gespräche bewaffnet. Statt uns gegenseitig in dieser weiten Welt willkommen zu heißen, und unsere Freiheiten zu geniessen, liessen wir der Dämonisierung und Diskriminierung anderer Gesinnungen freien Lauf. Hass sei in der realen Welt, und im Netz sei er noch schlimmer. Obwohl der Hass das Netz nicht erfunden habe, bremse er das Netz – und uns aus.

Das Netz allerdings habe schließlich implizit menschliche Werte. Und dafür lohne es sich explizit zu kämpfen. Denn obwohl es im Netz keine Distanzen zwischen getrennten „Stämmen“ gäbe, es alle Möglichkeiten des Miteinanders, des gegenseitigen Interessantfindens und Willkommenheissens gäbe, müsse das Netz die Menschlichkeit das noch von den besten unserer realen Weltkulturen lernen.

Marketing macht Unterhaltung immer noch schwer
Hart gehen die Autoren mit dem Marketing ins Gericht. Märkte seien Gespräche, aber noch immer werden Menschen despektierlich als Konsumenten bezeichnet, ihre „gefrackten“ Daten misinterpretiert und statt menschlich Persönliches gibt es nur personalisierte nicht menschliche Kommunikation. Und Werbung als „News“ oder Native Ads verkleidet werde das Vertrauen der Menschen zu Märkten und zu dem möglichen wunderbaren Miteinander generell nur zerstören.

Geschlossene Apps schaden dem freien Web
Auch die Entwicklung hin zu Apps gehen die Autoren scharf an. Unsere Bewegung weg vom freien Web immer mehr hin zur kontrollierten, geschlossenen Appumgebung sei schädlich für das Verbinden miteinander, mache uns zu Usern, statt Machern.

Netzwerke sind wie schwarze Löcher
Google, Facebook, Apple und Amazon wollten uns bei sich halten – wie schwarze Löcher das Licht, denn sie profitierten einzig und allein von der Schwerkraft der Gemeinschaft: Schließlich nutzten wir immer das, was alle nutzen. Es gälte, diese Firmen an ihre ursprünglichen „webby“ Werte zu erinnern, und wenn nötig, sie zu verlassen und diejenigen zu honorieren, die sich lautstark von ihnen losreissen, so die Autoren.

Das Private ist verloren. Hacker, rettet uns
Auch Privacy widmen die Autoren mehrere Thesen. Die Regierungen hätten eigentlich schon gewonnen. Unsere Privacy sei schließlich von uns freiwillig aufgegeben worden, in der Hoffnung im Gegenzug mehr Sicherheit „für UNS vor DENEN“ zu bekommen.

Aber die Autoren sind sicher: Da wir nicht wirklich wissen, was wir da aufgegeben haben, werden wir das eines Tages bereuen. Schließlich wüßten wir noch gar nicht, wo die Grenze zwischen privatem und sozialem Leben im Netz wirklich verlaufe, denn wir hätten das soziale des Netzes kulturell noch gar richtig nicht verstanden.

Die wirtschaftlichen und politischen Verlockungen uns zu durchleuchten seien dagegen aber so groß, dass wir uns wohl besser in Alufolie einwickelten und auf Hacker setzten, die uns da wieder rausholen, wo sie uns hineinmanövriert haben.

Das Gute stärken, das Schlechte schwächen
Die Autoren rufen auf, das Gute des Internets, i.S.v unbegrenzten Möglichkeitenkeiten zur Informationsbeschaffung, mehr Kreativität, mehr Transparenz und Weiterbildung zu maximieren. Das schlechte der letzten 20 Jahre dagegen gelte es zu minimieren. Dabei gelte es, die Probleme der Welt nicht dem Netz zu überlassen, sondern den eigenen Hintern zu bewegen.

Wie das zu erreichen ist, darüber lassen DocSearls und David Weinberger dann lose ihre Gedanken kreisen: Gelockerteres Copyright wo nötig, mehr Mut um Hilfe zu bitten, klare Regeln für den Umgang miteinander zu setzen, Gesprächen auf den eigenen Seiten aktiv zu moderieren, niemanden zu einer Antwort verpflichten zu wollen, sich im lebenden Web statt in abgeschlossene Appwelten zu bewegen, Wut aussen vor zu lassen, die guten Geschäfte zu unterstützen, die eigene Werte im Netz vorzuleben und nach langer Rede auch mal den Mund zu halten.

Am Ende liegen Ursache und Lösung des Problems dicht beieinander
Wir seien das Problem. Aber das Internet, in dem wir viel mehr tun könnten, wenn wir es denn zusammen tun, habe eine alte Kraft aktiviert, die Schwerkraft, die uns zusammenhält. Die Schwerkraft für Verbindung heiße Liebe, so die beiden Prediger des guten, alten Internets.

Ihre Hoffnung kommt am Ende einem Schwur gleich: „Lange lebe das freie Internet“. „Auf dass wir es noch lange lieben können.“

Anmerkung: Diese Fließtextübersetzung der 121 spitzen, unterhaltenden und leidenschaftlichen Thesen kann und soll sicher nicht die Lektüre im Original ersetzen und erhebt auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit der Wortwahl. Auch bleibt Wertung an dieser Stelle aussen vor. Es ist ein Angebot zur eigenen Auseinandersetzung mit diesem Aufruf – Korrekturvorschläge sind willkommen :).

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